Die Lüneburger Heide ist immer eine Reise wert – nicht nur im Sommer, wenn die Heide blüht. Auch im Frühling, Herbst und Winter hat die Region viele Sehenswürdigkeiten zu bieten. Zum Beispiel das Pietzmoor am Südrand des Naturschutzgebietes Lüneburger Heide bei Schneverdingen. Es erstreckt sich über eine Fläche von rund 2,5 Quadratkilometern und lädt dazu ein, auf einem etwa fünf Kilometer langen Rundwanderweg entdeckt zu werden. Die Bohlenstege führen durch eine geheimnisvolle Umgebung mit einer sehr speziellen Tier- und Pflanzenwelt, wie sie nur in einer Hochmoorlandschaft zu finden ist.

Zu jeder Jahreszeit zeigt das Pietzmoor eine andere Facette. Das macht Wanderungen und Spaziergänge das ganze Jahr über so reizvoll. Jetzt im Frühling sorgt die „Wollgrasblüte“ für Aufsehen, im Sommer ist es die Kreuzotter, die man beim wärmenden Sonnenbad beobachten kann. Wenn es im September und Oktober langsam kühler wird, dann übernimmt der mystische Herbstnebel die Regie. Und auch wenn im Winter der Schnee liegt, ist das Moor ein faszinierender Ort der Ruhe und Entspannung. Die Stille ist ein wahrer Genuss, sie lädt zum Tanken neuer Kräfte ein und bildet den perfekten Gegenpol zum oft hektischen Alltag.
Bei den Gängen durch das Pietzmoor, die auch für ungeübte Wanderer gut zu bewerkstelligen sind, stehen Flora und Fauna im Mittelpunkt des Interesses. Viele für das Moor typische Pflanzen dominieren die Landschaft. Neben dem Wollgras sind das Glockenheide, Torfmoos oder Sonnentau. Auch Tiere, die sich im und am Moor besonders wohlfühlen, finden sich hier in großer Zahl: Libellen, Moorfrösche, Birkhühner oder Sumpfohreulen zum Beispiel. Einen guten Überblick über Tiere und Pflanzen im Moor bieten die informative Tafeln, die an verschiedenen Punkten des „Moor-Erlebniswegs“ zu finden sind. Die zehn Tafeln bringen Wanderern die heimische Tier- und Pflanzenwelt näher, und zugleich verraten Sie Wissenswertes über die Entstehungsgeschichte des Moores.

Das Pietzmoor ist fast 8.000 Jahre alt, wie Untersuchungen ergaben. Wie findet man das „Alter“ einer solchen Landschaft heraus? Der Schlüssel ist das jährliche Wachstum der torfbildenden Spagnen (Torfmoose), das etwa einen Millimeter beträgt. Profiluntersuchungen des Moores ergaben eine „maximale Torfmächtigkeit“ von 7,50 Meter. Macht also 750 Zentimeter oder 7.500 Millimeter – und somit gut 7.500 Jahre.
In den vergangenen Jahren unternahmen die Verantwortlichen in Schneverdingen vielfältige Anstrengungen zur Renaturierung des Pietzmoors. Die Mühe hat sich gelohnt, denn nun kann das Moor wieder wachsen. Es bleibt somit als „Geschichtsbuch der Natur“ auch für nachfolgende Generationen erhalten.

Von Mai bis Oktober werden rund zweistündige geführte Wanderungen durch das Pietzmoor angeboten. Die Termine finden donnerstags von 18 bis 20 Uhr (April bis September) bzw. 17 bis 19 Uhr (Oktober) statt, samstags von 14.30 Uhr bis 16.30 Uhr und sonntags von 10 bis 12 Uhr. Treffpunkt ist jeweils der Briefkasten am Feriendorf, Heberer Straße. Die Teilnahme kostet 4 Euro pro Person; für Kinder bis 14 Jahre und Kurkarteninhaber ist das Angebot kostenfrei. Information und Buchung: Schneverdingen Touristik, Rathauspassage 18, 29640 Schneverdingen, Telefon: 05193/ 93-800.
Übrigens: Gleich neben dem Pietzmoor beginnt die Osterheide. Wer nach dem Rundgang durchs Moor noch Zeit und Lust hat, kann also direkt noch eine Wanderung durch die reizvolle Heidelandschaft unternehmen.