Wie die blühende Heide selbst sind auch die Heidschnucken untrennbar mit der Lüneburger Heide verbunden. Die „Landschaftspfleger auf vier Beinen“ sind ein Wahrzeichen der Heide und zugleich eine wichtige Voraussetzung für deren Fortbestand – denn sie fressen alte Triebe ab und verhindern somit eine Verholzung. Die junge Heide bleibt stehen, und so erneuert sich der Pflanzenbestand permanent. Die Heidschnucken leisten bei ihrer täglichen „Arbeit“ aber noch viel mehr: Sie halten andere Pflanzen zurück, indem sie beispielsweise Birkensprösslinge vertilgen. Was die Vierbeiner nach der Verdauung zurücklassen, düngt die Landschaft. Und ganz nebenbei erleichtern die Tiere auch noch den Bienen das Leben. Da die Heidschnucken permanent in der Heide unterwegs sind, bleiben Spinnennetze zwischen den Pflanzen nie lange bestehen – eine Hauptgefahr für die fleißigen Bienen fällt damit weg. Als wäre all das nicht schon genug, vertreiben die Heidschnucken mit ihrem Stampfen auch noch Feldmäuse und Maulwürfe, die den Wurzeln der Heide schaden könnten.

Am bekanntesten ist die Graue Gehörnte Heidschnucke mit ihrem gräulichen Körper und schwarzen Beinen, Schwanz und Kopf. Die Lämmer kommen mit komplett schwarzem, gelocktem Fell auf die Welt und nehmen erst im zweiten Jahr die typische graue Färbung an.

Im Frühling kann man die kleinen Heidschnucken wieder in großer Zahl erleben. Rund 2.000 Mutterschafe gibt es Schätzungen zufolge in der Lüneburger Heide, und somit werden bis April wieder etwa 2.000 Lämmer geboren. Eine einzige Herde kann sich auf diese Weise schon einmal um 15 bis 20 Tiere an einem einzigen Tag vergrößern.
Schon im Juli geht es für die ersten Tiere zum Schlachter. Doch etwa jedes fünfte Lamm hat Glück: 20 Prozent der Neugeborenen dürfen in der Heide und dort kräftig „schnucken“ (naschen), um groß und stark zu werden – und dann später selbst Nachwuchs zu produzieren. Nach etwa zwölf bis achtzehn Monaten ist es soweit, denn dann sind die Lämmer von heute zu „erwachsenen“ und geschlechtsreifen Tieren geworden.